SUPERSTADT – WIE LEBEN?
Ein Symposium zur Zukunft der Stadt

VERSCHOBEN AUF
24. April 2021
10-19 UHR

SPLACE
am Hauptplatz 6, 4020 Linz

E I N T R I T T   F R E I  !

Nomadisch, queer oder interkulturell? Multiperformend, als Patchworkfamilie oder als Paar? Im Start-up-, Coworking- oder Gewerbehaus? Noch nie schienen die Möglichkeiten, sein eigenes Leben zu gestalten, so vielversprechend wie jetzt. Jedoch: Die Liste an Möglichkeiten täuscht. Sie ist direkt verknüpft mit Herkunft und Biografie, vor allem jedoch mit einer Ökonomie. Lebensmöglichkeiten sind gebunden an die Ökonomie des Investments. Selbstbestimmung endet schnell, wenn Baugründe teuer, die Räume zu knapp und notwendige Infrastrukturen nicht vorhanden sind. Auch wenn uns Stadtmanagement und Immobilienfirmen etwas anderes erzählen, so ist festzustellen: Nicht wir bestimmen, wo und wie wir leben wollen, sondern das Kapital, das uns zur Verfügung steht. Anstelle von urbaner Raumaneignung tritt also Gentrifizierung, der kollektiv genutzte Freiraum weicht dem Anleger-Haus und Initiativen sind dem freien Spiel der Kapital-Kräfte ausgesetzt. Die Stadt muss schnell und schneller wachsen, Profit ist wichtiger als Gemeinwohl und Stillstand im Bauboom wäre ein Rückschlag im Kampf um die am schnellsten prosperierende Stadt.

Aber sollen wir all dem zustimmen? Bauen wir die Stadt wirklich so schnell, wie es uns das Investment diktiert? Ist Ausnutzbarkeit wirklich alles? Wollen wir austauschbar wohnen, in Shoppingmalls fahren und im Netz bestellen? Welchen Handlungsspielraum wollen wir und sollen andere haben? Welchen Werten folgen wir? Was setzen wir der neoliberalen Stadt entgegen?

WIE WIR LEBEN WOLLEN stellt die Frage nach gebauten, gedachten und gezeichneten Lebensmodellen. Gefragt sind Alternativen zur Investorenstadt, antiglobale Architekturen, ungewöhnliche Produktions- und Wohnmodelle sowie neue Kollektivitäten. Internationale ArchitektInnen zeigen Hauskonzepte, TheoretikerInnen stellen Hypothesen auf, KünstlerInnen intervenieren und Genossenschaften, Habitate und Syndikate erzählen, wie man es gut macht, so dass es dann gut läuft, beim Wohnen, Arbeiten, Leben und Lieben.




Noch nie war die Bandbreite an Wohnformen so groß wie heute. Von der geförderten Mietwohnung bis zum Baugruppenprojekt, von der Familienwohnung bis zum Clustertyp scheint alles möglich und frei wählbar zu sein. Die erfolgreichsten Wohnprojekte im Sinne neuer Haus- und Wohnungstypologien, das gilt es festzuhalten, waren in den letzten Jahren selbst organisierte Wohnbauten. Sie entstehen aus Initiativen von ArchitektInnen, BewohnerInnen oder neuer Genossenschaften und stellen heute eine gute Alternative zum oft gleichförmig und anonym wahrgenommenen Massenwohnungsbau. Nicht immer steht Kollektivität im Vordergrund, aber meistens. Oft sind es aber auch einfach solche Grundrisstypologien und Qualitäten, die in einem herkömmlichen Wohnungsbau nicht realisierbar sind wie Mehrgeschossigkeit, Selbstausbau und ungewohnte Oberflächen. Fragen der Flexibilität, des Austauschs, der Freiheit in der privaten Lebensgestaltung ohne Einschränkung durch Bauträger oder Hausverwaltung sowie Fragen einer sozialen Gerechtigkeit können in selbst organisierten Projekten meist besser beantwortet werden als sonst. Dem gegenüber stehen ein nervöser Wohnungs- und Immobilienmarkt, Grundstücks- und Baupreise, die Ungewöhnliches nahezu verunmöglichen und eine Lobby an Personen und Institutionen, die entscheiden, wie Stadt und Wohnen sich zu entwickeln haben. Alternative Genossenschaften, Habitate und Syndikate sind in Österreich noch relativ selten. Oft scheitern sie an den finanziellen Möglichkeiten kleiner Gruppierungen. Aber es tut sich etwas, auch hier.

Im Themenblock 1 werden Fragen nach neuen Wohntypologien, ungewöhnlichen Haustypen sowie nach alternativen Entwicklungsmodellen gestellt. Wie können wir unsere Wünsche realisieren? Wie stellen wir uns gegen den herkömmlichen, nichtssagenden Wohnungsbau? Welche Sozial-, Organisations- und Raummodelle setzen wir dem Wohnungsmarkt entgegen? Gilt es weniger Individualraum zugunsten gemeinsam genutzter Flächen zu bauen? Braucht es Crowdfunding und andere Banken? Wenn nicht mehr klassische Familienstrukturen überwiegen (und das wird zukünftig wohl der Fall sein), braucht es in jedem Fall neue Haus-, Wohnungs- und Organisationsmodelle. Dass Wohnen damit gesellschaftliche, also staatliche Funktionen übernimmt, gilt es ebenso zu diskutieren wie eine mögliche elitäre Haltung gegenüber jenen, die weder Zeit noch Geld aufbringen können für Gemeinschaftswohnprojekte. Die oft geforderte Durchmischung der BewohnerInnen ist schnell zu Ende, wenn es um Finanzierbarkeit geht. Vielleicht gibt es aber auch neue Ökonomien, die durch neue Typologien entstehen. Zu wünschen wären also neben den baulichen Experimenten der Baugruppenprojekte auch Experimente in Hinblick auf eine soziale Durchmischung und Leistbarkeit sowie ein Hinterfragen herkömmlicher Standards.




Mit der Durchmischung von Wohnen und Arbeiten ist es nicht so einfach. Büroflächen sind teuer, Gewerbeflächen sind rar oder passen nicht für heutige Bedürfnisse und die meisten kleinen Gewerbetreibenden arbeiten ohnehin meistens zu Hause, was aber selten eine ideale Situation ist. Dabei sind kleine, neue Gewerbeformen stark im Kommen. Es sind also neue Allianzen gefragt zwischen dem privaten oder dem gemeinschaftlichen Wohnen und dem Arbeiten im weitesten Sinn. Neue Widmungen tragen dem teilweise schon Rechnung. Sockelgeschosse mit größeren Raumhöhen und Nicht-Wohnen als Widmung sollen bewirken, dass Neubaugebiete keine Schlafstädte werden. Jedoch ist das Füllen der Sockel nicht immer leicht. Wenn kleinteilige Geschäftsflächen schon im Zentrum oft leer stehen, wie soll es am Rand der Städte klappen?

Viel erfolgreicher sind oft Projekte, die von vornherein bestimmte Personengruppen ansprechen, die interessiert sind an der Durchmischung von Wohnen und Arbeiten. Zu diesen beiden Funktionen gesellt sich dann oft noch Kultur und Soziales. Solche neuen, multifunktional geschichteten Gebäude erfüllen im Kleinen das, was früher einmal eine gute Stadt erfüllt hat bzw. ein Viertel oder eine Nachbarschaft. Was wie eine Anmaßung klingt macht durchaus Sinn, auch wenn es finanziell und organisatorisch nicht immer leicht zu schaffen ist. Vor allem geht es bei solchen Projekten ja um eine aktive Teilhabe aller an einem Haus beteiligten Personen, etwas, was Städte zwar mehrfach als Ziel formulieren, was in kleinen Nachbarschaften jedoch besser funktioniert. In solchen neu durchmischten, oft schon recht großen Gebäudetypen werden alle relevanten urbanen Themen der Zukunft angesprochen. Sie haben also Vorbildfunktion für die Zukunft unserer Städte. Wie schaffen wir alternative Ökonomien? Welche Formen von Teilen und Tausch sind möglich? Wie kann ich privaten Besitz verringern und meine Talente in einem Pool anbieten? Was kann ich produzieren, was andere im Haus brauchen? Neben organisatorischen Fragen (Finanzierung, Rechtsform, Förderung) gibt es vor allem räumlich-architektonische Fragen: Welche Typologien eignen sich zum Wohnen, Arbeiten und Produzieren? Wie verträgt sich Gewerbe mit Wohnen? Welche Architektur unterstützt Kooperationen? Wie findet Nachhaltigkeit einen räumlichen Ausdruck?

Die oft von InteressentInnen oder ArchitektInnen selbst entwickelten Projekte sind noch rar, könnten aber Zukunfts-weisend sein für ein neues Verständnis von Stadt. Wenn leerstehende Erdgeschoß-Lokale das Bild ganzer Straßenzüge in Städten prägen, liegt das nicht an fehlendenden Konzepten aktiver Personen, sondern am strategisch ausgerichteten Immobilienmarkt. Es braucht also auch alternative Immobilienkonzepte, InvestorInnen, die nicht an der Gewinnmaximierung interessiert sind, Städte, die initiative BürgerInnen fördern und dann eine gute Architektur, die wie ein Nutzungsmischungs-Generator funktioniert.




Fragen nach einem zukünftigen, besseren Leben sind immer Fragen nach Utopien. Initiativen wie Fridays for Future zeigen aber, dass es nicht bei der theoretischen Formulierung bleibt. Man bestreikt Schule und Arbeit, geht auf die Straße und reklamiert sich aktiv in Stadtentwicklungsprojekte hinein. Vielleicht muss der Begriff Utopie nicht länger unabhängig von Ort und Intervention gedacht werden. Schließlich lautet die Message: DU kannst mit DEINEM Involviert-sein und DEINEM Engagement etwas beitragen zur Stadtveränderung. Vielleicht ist das naiv. Aber waren nicht alle Utopien ein wenig naiv?

Geht es um die Frage „WIE LEBEN?“, ist der freie urbane, suburbane oder ländliche Raum eine wichtige Größe im Spiel der Kräfte. Je mehr wir bauen, desto umkämpfter wird der Freiraum. Umso wichtiger ist, dass der verbleibende Freiraum allen verfügbar gemacht wird, sei es für Eigenproduktion von Lebensmitteln, als kooperativ genutzter Park oder für eine neue Symbiose aus Wohnen, Arbeiten, Nahrungsmittelproduktion und Erholung. Aktive Stadtteilhabe entsteht, wenn Stadtbenutzende in die Entwicklung von Flächen und Räumen miteinbezogen werden. Wer diese Möglichkeit nicht bekommt, nimmt sie oft mit Gewalt, was durchaus verständlich ist. Es gibt aber auch gute Kooperationen zwischen (vormals) „wilden“ Gruppierungen und der Stadtentwicklung. Teils hat die Stadtplanung dazu gelernt, teils werden Initiativen ausgenutzt, damit sich etwas tut auf den vormals leeren Flächen.

Wenn die Stadt nicht ausreicht, muss man auf das Land ausweichen. Das taten Utopien seit jeher. Utopien wurden fast ausschließlich auf Insellagen im Meer oder in idyllischen Landschaften erdacht. Auch viele realisierte Lebensexperimente waren und sind nicht in Städten, sondern eher am Land verortet. Schließlich ist dort das Angebot an leistbaren Baugründen größer. Jedoch: Was in Städten schon schwierig ist wie jene neuen Gemeinschaftsformen von Wohnen, Arbeiten und Produzieren, ist am Land oft mehrfach kompliziert. Man kämpft mit Traditionen, Vorurteilen und oft unmöglichen Bauvorschriften. Oft hört man auch, die Raumplanung sei schuld, dass es am Land so aussieht wie es eben aussieht – leere Zentren, Einfamilienhäuser und Shoppingmalls. Die Raumplanung ist jedoch in Veränderung. Neue PlanerInnen treten auf den Markt und durchmischen das bislang allzu brave Terrain. Storytelling in der Raumplanung? Comix statt Plan? Performance statt Umfrage? Was vor einigen Jahren unmöglich war bewährt sich heute als Modell, vor allem, weil es BewohnerInnen auf eine erfrischende Weise inkludiert. Es kann also lustig werden in der Zukunfts-Raumplanung! Letztlich werden zukünftig auch andere, frischere Konzepte von Ökologie und Nachhaltigkeit gefragt sein. Die neuen NutzerInnen der ungewöhnlichen Wohn- und Arbeitsprojekte passen nicht mehr zur Sonnenkollektor- und Passivhausideologie. Gefragt sind ungewöhnliche Natur- und Raumkonzepte, die ganzheitliche Lebensprozesse inkludieren. Wir dürfen also gespannt sein auf Überwucherungen, Fauna und Flora an den ungewöhnlichsten Stellen und Anbauformen, die auf der Frage „WIE LEBEN?“ adäquate frische Antworten liefern!




Kuration: Sabine Pollak
Moderation: Maik Novotny
Organisation, Grafik: Sara Hammer

www.superstadt.at
www.ufg.at



Das Symposium Superstadt! wird unterstützt von / Supported by

Programm

Moderation: Maik Novotny, Journalist, D

10.00 – Begrüßung: Brigitte Hütter, Rektorin Kunstuniversität Linz, A
10.15 – Sabine Pollak, Kunstuniversität Linz, A

WOHNEN, ORGANISIEREN, BAUEN
10.45 – Raphael Frei, pool Architekten, CH
11.15 – Nina Sleska, ROBERTNEUN™, D
11.45 – Robert Temel, Heinz Feldmann, Die WoGen, A
12.15 – Diskussion

12.45 – Mittagspause

ARBEITEN, WERKEN, TAUSCHEN, TEILEN
14.00 – Claudia Thiesen, Thiesen & Wolf GmbH, CH
14.30 – Markus Zilker, einszueins architektur, A
15.00 – Susanne Heiß, ifau, D
15.30 – Diskussion

15.50 – Charlotta Öberg, Performance Artist, SE/A

STADT, LAND, UTOPIE
16.15 – Gloria Meynen, Kunstuniversität Linz, A
16.45 – Christoph Schäfer, Park Fiction, D
17.15 – Isabel Stumfol, Raumplanerin, A 
17.45 – Sandra Bartoli, Büros für Konstruktivismus, IT/D

18.30 – Sigrid Horn, Liedermacherin, A

22:00 – SUPERPARTY VOL.II

Vortragende

  1. Vortragende
    Vortragende

    WoGen-Quartiershaus im Sonnwendviertel, ArchitektInnen: feld72, transparadiso, FotografIn: Janusch – a visual collective – Rupert Pessl

    Wie können innovative Gemeinschafts-Wohnprojekte das Klima retten helfen?

    Heinz Feldmann, Die WoGen, A

    Die WoGen Wohnprojekte-Genossenschaft e. Gen. ist die erste neu gegründete Wohnungsgenossenschaft in Österreich seit vielen Jahrzehnten. Während es in Deutschland und in der Schweiz in den letzten Jahren viele Neugründungen gab, die hervorragende Projekte entwickeln, war das in Österreich bisher nicht der Fall – die WoGen hat das Eis gebrochen, mittlerweile gibt es einige neue Genossenschaften im Wohnbaubereich. Die WoGen ist spezialisiert auf gemeinschaftliche Wohnprojekte mit innovativer Ausrichtung. Das erste realisierte Projekt ist KooWo in Volkersdorf bei Graz, das zweite Projekt namens WoGen-Quartiershaus wird in Kürze beim Wiener Hauptbahnhof entstehen. Im Anschluss an die Präsentation der WoGen und des genossenschaftlichen Bauens von gemeinschaftlichen Wohnprojekten werden die Vortragenden zusammen mit dem Publikum versuchen, Beispiele für die im Titel genannte Frage zu sammeln und zu diskutieren – dabei wird es um das Spektrum des Möglichen gehen.

    Geboren 1963 in Vorarlberg
    Lehre als Kaufmann und FH-Abschluss als Marketing- und Verkaufsleiter
    NLP Master Practitioner
    Hands-on Karriere bis zum Österreich-Geschäftsführer bei Smith & Nephew (Medizin-Technik)
    Mitgründer und Geschäftsführer bei VBC (Verkaufstrainings)
    Systemischer Coach (nach ECA-Kriterien)
    Team-Mitglied bei "the green field" Systemische Beratung & Coaching
    Initiatischer Männercoach
    Hypnose-Ausbildung bei Dr. H. Alberts
    Männer-Coach & Männergruppen-Leiter
    Gründer und Vorstand VBC Medien AG
    3 Jahre Vorstand bei attac Österreich
    Mitinitiator der „Gemeinwohlökonomie“ (ursprünglich attac-UnternehmerInnen-Gruppe)
    Mitbegründer und glücklicher Bewohner des Wohnprojekt Wien
    Mitbegründer und Vorstand Der WoGen

  2. Vortragende
    Vortragende

    Genossenschaftssiedlung Glattbogen, Zürich; Ralph Feiner, Malans – Niklaus Spoerri, Zürich

    Poolologie des Wohnens – Ein Einblick in die Werkstatt von pool Architekten

    Raphael Frei, pool Architekten, Zürich CH

    Mit Poolologie des Wohnens wird über die persönliche Annäherung zum Thema Wohnungsbau das Prozesshafte beim Entwurf herausgestrichen. Geprägt von über zwanzig Jahren intensiver Auseinandersetzung von pool Architekten mit dem Thema Wohnungsbau in der praktischen Umsetzung und in der Lehre, werden Arbeiten aus dem Büro neben studentischen Arbeiten gezeigt. Das Skizzenhafte und Gedachte verschmilzt dabei mit dem Gebauten. Es geht weder um eine fertige Lehre zum Wohnungsbau noch um Rezepte zum richtigen Wohnen. Es werden keine Lösungen geboten, sondern Möglichkeiten offeriert. Keine Dogmen werden proklamiert, sondern die offene Neugierde wird gepflegt. Im Zentrum der Arbeit von pool Architekten steht immer der Grundriss, der als universelle Sprache verstanden wird. Als regelrechte Grundriss-Junkies studiert pool bei historischen Vorbildern wie auch zeitgenössischen Arbeiten akribisch die Wohnungsgrundrisse, bevor sie sich den anderen Aspekten des jeweiligen Entwurfs zuwenden. Aus diesem Grund findet die Annäherung zum Thema Wohnen über die Gegenüberstellung von Grundrissen statt, ergänzt durch die Aspekte Interieur und Konstruktion als flankierende Rahmenbedingungen.

    Raphael Frei ist Architekt und Gründungspartner von pool Architekten in Zürich. 2006 wurde er in den Bund Schweizer Architekten (BSA) aufgenommen. (Genossenschaftlicher) Wohnungsbau und städtebauliche Planungen bis hin zu Gestaltungs- und Richtplänen für Zentrums- und Quartierentwicklungen bilden den Kern seiner Tätigkeit. Von 2010-2012 war Raphael Frei Gastdozent an der ETH Zürich und von 2013-2016 Gastprofessor an der TU Berlin. Als Vertreter des BSA ist er Mitglied in der Fachkommission des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS).

    pool Architekten formierte sich 1994 als Diskussionsplattform mit Workshops und Debatten über Architektur und Städtebau. 1996 nahm die praktische Tätigkeit als Architektengemeinschaft ihren Anfang und führte 1998 zur Gründung der pool Architekten Genossenschaft mit den acht Partnern Dieter Bachmann, Raphael Frei, Mathias Heinz, Philipp Hirtler, David Leuthold, Andreas Sonderegger, Mischa Spoerri und Matthias Stocker. Anfang 2018 wurden die zwei langjährigen Mitarbeiter und bisherigen Associates Floris Besserer und Thomas Friberg als Partner aufgenommen.
Die Tätigkeitsbereiche umfassen Wohnungsbau, Schul- und Sportbauten, Bauten für Kultur, Dienstleistung und Gewerbe, Infrastrukturbauten sowie Städtebauliche Planungen bis zu Gestaltungs- und Richtplänen für Zentrums- und Quartierentwicklungen. 2014 erhielten pool Architekten den renommierten Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim vom Bundesamt für Kultur.

  3. Vortragende
    Vortragende

    IBeB – Modellfoto / ifau – Christoph Heinemann

    Wohnbiographien – selbstbestimmtes und gemeinschaftliches Wohnen in der Stadt

    Susanne Heiß, ifau, D

    Die Stadtplanerin Jennifer Wolch skizzierte 1998 in ihrem berühmt gewordenen Text „Zoöpolis“ die Utopie eines posthumanistischen Urbanismus. Daran anschließend entwickelt der Vortrag den Begriff der Schweinischen Multitude: Als zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in New York bislang räumlich getrennte Gebiete näher aneinanderrückten, wurde ein bis dahin übliches Phänomen zum Gegenstand erbitterten Debatten, Gesetzesvorhaben und sogar Straßenschlachten – die freilaufenden Schweine, die das Stadtbild lange geprägt hatten. Bis die Zähmung New Yorks einige Jahrzehnte später gelang, erschütterten dutzende „Hog Riots“ die Stadt. Ganze Nachbarschaften widersetzten sich dem „Pignapping“ durch Staatsorgane. Diese unübersichtlichen Gemenge aus Menschen und Schweinen wurden in hunderten Leserbriefen dieser Zeit einhellig als Swinish Multitude bezeichnet. Der Vortrag geht der sozialen und urbanen Geschichte dieses Begriffs nach und fragt, was er für das Verständnis aktueller Diskussionen und utopisch anmutender Phänomene leisten kann.

    Susanne Heiß ist Architektin und Mitbegründerin der Architektengruppe ifau. Sie studierte Architektur an der RWTH Aachen und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Architektur im intensiven Dialog mit den zukünftigen Nutzerinnen. ifau (Institut für angewandte Urbanistik - Susanne Heiß, Christoph Heinemann, Christoph Schmidt) arbeitet als Architektengruppe, in verschiedenen Kooperationen und interdisziplinären Konstellationen. Sie verstehen Architektur als Ort alltäglicher Handlungen und Verhandlungen und entwickeln aneignungsoffene Räume, die vielfältige Interpretationen und unterschiedliche Gebrauchsmuster zulassen. ifau beschäftigt sich mit partizipativen Wohnformen und kostengünstigem Wohnungsbau - die Verhandlung gemeinschaftlicher Räume, die freie Gestaltung von Grundrissen und die Entwicklung verbindlicher Standards sind hier grundlegende Themenschwerpunkte. In Kooperation mit Jesko Fezer und Heide & von Beckerath konnte 2012 das gemeinschaftliche Wohnprojekt R50 realisiert werden. In Kooperation mit Heide & von Beckerath realisierte ifau das Integrative Bauprojekt am Blumengroßmarkt in Berlin. Die beiden Wohnungsbauprojekte wurden mehrfach ausgezeichnet.

  4. Vortragende

    Plattencover „I bleib do“, Magdalena Blaszczuk –

    Konzert

    Sigrid Horn, Liedermacherin, A

    Aufgewachsen im Mostviertel, erwachsen geworden in Wien. Die Liedermacherin Sigrid Horn singt in einem nicht klar zuordenbaren Dialekt und begleitet sich mit Ukulele oder Klavier. Sie ist nirgendwo zu Hause, macht es sich aber schnell bequem. Sowohl räumlich als auch künstlerisch pendelt sie zwischen Land und Stadt und nimmt von beidem etwas in ihre Musik mit.
    Die studierte Musikpädagogin war vor ihrer Solo-Tätigkeiten jahrelang Frontfrau der Band wosisig, mit der sie unter anderem mehrfach beim Protestsongcontest auftrat. Nach Auflösung der Band versuchte sie sich in anderen Genres und erkundete unter einem anderen Namen Poetry-Slam- und HipHop-Bühnen. Dabei sind gesellschaftskritische und feministische Themen ein roter Faden. 2019 gewann sie den Protestsongcontest mit ihrem Lied „Baun“. 

  5. Vortragende
    Vortragende

    Life Magazine 12.02.62 - »New Facts you must know about Fallout: The Drive for Mass Shelters«, Life Magazine, 12.02.62. Oktopus in 20.000 Meilen unter den Meeren (1916) aus der Patentschrift von John Ernest Williamson, Art of Producing Lifelike Simulations to inanimate Objects, 1917. – Gloria Meynen

    Die dritte Insel – Eine Möglichkeit

    Gloria Meynen, Kunstuniversität Linz, A

    Schon seit der Antike sind Inseln bevorzugte Orte für Utopien, weil sie  ein Ufersaum vom Festland trennt. Denn was wird oder nie ist, muss sich von der Gegenwart durch eine Grenze unterscheiden.  Seit dem 19. Jahrhunderts stellen Geografen, Biologen, Ökonomen,  Essayisten und Schriftsteller diese Grenzen synthetisch her. Bekanntes soll in Unbekanntes verwandelt werden, das Neue aus der Gegenwart entstehen. Sie suchen nach dem Bauplänen der Abweichung, den Selbsttechniken der Mutation und fanden sie nicht selten in nomadischen Inseln. Eine Insel müsse nur einen Tag untergehen und wieder auftauchen, dann können wir auf ihr als neue und unbekannte Arten entstehen.

    Kann man auf dem Rücken eines Wals heimisch werden, die Welt wie Kapitän Nemo im Kopf einer Molluske in Wegen und Möglichkeiten umrunden? Der Beitrag heftet sich auf die Spuren der Instant-Apokalypsen, der Utopien, die gleichsam aus einem Sturm im Reagenzglas entstehen. Wie werden Utopien hergestellt? Und mit welchen Verkehrsmitteln kann man sie erreichen? Und wozu?

    Gloria Meynen studierte Germanistik, Kulturwissenschaft und Philosophie in Köln, Bonn, Bochum, Konstanz und Berlin, promovierte über eine Kultur- und Mediengeschichte der Fläche an der Humboldt Universität Berlin, wurde habilitiert mit einer Monografie über das Verhältnis von Science und Fiktion bei Jules Verne und Alexander von Humboldt. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschergruppe Bild-Schrift-Zahl der Humboldt Universität zu Berlin und bei Eikones an der Universität Basel. Von 2012 bis 2019 war sie  Professorin für Medientheorie und Kulturgeschichte an der Zeppelin Universität, im September 2019 folgte sie einem Ruf auf die Professur für Medientheorien der Kunstuniversität Linz.

    Gloria Meynen hat publiziert zu »nützlichen Fiktionen« — einer Mediengeschichte der geraden Linie, zu Karten und Diagrammen, Zahlenmeeren und Phantominseln. Im Frühjahr 2020 erscheint „Inseln und Meere. Zur Geschichte und Geografie fluider Grenzen“ im Matthes & Seitz Verlag Berlin.

  6. Vortragende
    Vortragende

    – Katharina Gossow

    Moderation

    Maik Novotny, Journalist, D

    Maik Novotny, geboren 1972 in Stuttgart, lebt seit 2000 in Wien. Studium der Architektur und Stadtplanung in Stuttgart und Delft. Arbeit in Planungsbüros in Wien und Umgebung. Schreibt regelmäßig für die Tageszeitung Der Standard, die Wochenzeitung Falter und Fachmedien über Architektur und Stadtentwicklung. Moderation von Podiumsdiskussionen. Konzeption der Talkshowformats „Club Architektur“ am AzW mit Angelika Fitz (seit 2017). Mitherausgeber der Bücher "Eastmodern - Architecture and Design of the 1960s and 1970s in Slovakia" (2007, mit Hertha Hurnaus und Benjamin Konrad), "PPAG: Speaking Architecture" (2014, mit Anna Popelka und Georg Poduschka) und „Wohn Raum Werk“ (2017, mit Peter Lorenz). Beiträge in diversen Buchpublikationen. Lehrtätigkeit an der TU Wien und an der Kunstuniversität Linz. Gastkritiker am Royal College of Art London, der Akademie der Bildenden Künste Wien und an der New Design University St.Pölten. 2017 dreimonatiger Forschungsaufenthalt in London als Stipendiat des Richard Rogers Fellowship der Harvard Graduate School of Design.

    maiknovotny.com

  7. Vortragende
    Vortragende

    Barbie Yoga Teacher performing I will last for a lifestyle at, Rundgang 2019, Akademie der Bildenden Künste, Wien. – Raffaela Bielesch

    Barbie Yoga Teacher – I Will Last for a Lifestyle

    Charlotta Öberg, Performance Artist, SE/A

    Barbie Yoga Teacher, *2016-ongoing is the artist Charlotta Öbergs alter ego. Barbie Yoga Teacher is a comment on society restrictions, capitalism and commercialism, a critic of requirements of always becoming a better version of yourself, a selfreflection on yoga practice and a questioning of what happens when western culture transform a religion into fitness practice. Her first performance was named "Spicy Outdoor Grateful Yoga Superlative Experience Your Barbie Face” and was performed in a group exhibition at a farm in Vittsjö, Sweden. Since then it has developed and been performed in different venues from gallery spaces to home partys and at theaters. At Symposium Superstadt Barbie Yoga Teacher will perform her piece: ”I will last for a lifestyle”.

    www.charlottaoberg.se/barbie-yoga-teacher

    Charlotta Öberg, *1987 is an artist from Sweden and currently based at the Academy of Fine Arts Vienna. In her practice she is questioning power structures and restrictions in society such as norms of behaviour, norms of being heterosexual and norms of being successful and healthy, exploring what feelings they create and imagining different ways to handle obstacles and challenge societal restrictions. Charlottas works are mostly performancebased and/or including interactive elements. She also uses her crafting skills from being a trained pattern maker and milliner.

    Charlottas work, collaborations and participations has been exhibited in Stockholm at: FISTAHOOD HOUSE, Studio Mossutställningar, Konstfack, FÄRGFABRIKEN, Stockholms Kulturhus (Stockholm Pride Festival), Kamraterna, Teater Tribunalen, Dramalabbet, Galleri Helle Knudsen, Gerlesborgsskolan, Katteljén; Vittsjö at Boalt Spa men resort, värme men gödsel; Göteborg at: Röhsska Museet, Galleri Monitor; Vienna at: Akademie der Bildenden Künste, MAK, Volkskundemuseum, Gärtnergasse; Zürich at: Cabaret Voltaire.

    www.charlottaoberg.se

  8. Vortragende
    Vortragende

    Frauenwohnprojekt ro*sa Wien, Gemeinschaftsgang, Miriam Pollak – Susanna Hofer

    Ein Gespenst geht um! – Wie aus kleinen Initiativen eine Bewegung wird

    Sabine Pollak, Kunstuniversität Linz, A

    Genossenschaften und Habitate, Gewerbehöfe und Co-working-Räume, Baugruppen und solidarische Landwirtschaften: In den 1980er Jahren begannen selbst organisierte Lebensformen als Ausläufer früher Hippie-Kommunen und AussteigerInnen. Heute haben sie sich international zu einer ernst zu nehmenden Bewegung etabliert. Wie in den frühen Projekten schon besticht auch heute der utopische Ansatz. Was aktuelle Projekte jedoch von jenen der 1980er Jahre unterscheidet ist ein durchaus erfrischender Sinn für Pragmatik. Schließlich will man nicht nur phantasieren, sondern realisieren. Aus einem Randphänomen wird also zunehmend eine ernst zu nehmende Taktik. Der herkömmliche Immobilien- und Projektentwickler-Markt gibt keine Antwort auf die Frage „Wie leben?“? Dann sollte er sich auf Gegenwind einstellen!

    Sabine Pollak studierte Architektur in Graz, Innsbruck und Wien, promovierte 1995 mit der Arbeit "Programme und Strategien in der Architektur" und habilitierte sich 2003 mit dem Buch "Leere Räume. Wohnen und Weiblichkeit in der Moderne". Sie leitet gemeinsam mit Roland Köb das Architekturbüro Köb&Pollak Architektur in Wolfurt und Wien und arbeitet in den Bereichen Urbanistik, Wohnbau, Architekturtheorie und Genderforschung. Sabine Pollak unterrichtete als Gastprofessorin an verschiedenen internationalen Universitäten und leitet seit 2008 als Professorin den Bereich Architektur und Urbanistik an der Kunstuniversität Linz. Köb & Pollak Architektur realisierte eine Reihe an Bauten, zuletzt als ARGE Köb&Pollak ° Schmoeger gemeinsam mit Alexander Schmoeger. Eine Auswahl der Bauten sind das Frauenwohnprojekt ro*sa Donaustadt in Wien (2009), das Wohnprojekt BOA in Wien (2012) oder das Betreubare Wohnen in Spillern, NÖ (2011). 2016 gewann Köb&Pollak ° Schmoeger den Bauträgerwettbewerb Obere Augartenstraße in Wien, 2019 den Bauträgerwettbewerb An der Schanze, Bauplatz H/I in Wien.

  9. Vortragende
    Vortragende

    Park Fiction, Rasande Tyskar – Margit Czenki

    Kollektive Wunschproduktion - Planen mit dem Wissen der Vielen

    Christoph Schäfer, Park Fiction, D

    Beherrscht von Exceltabellenlogik und Optimierungszwängen steckt die Stadtplanung, trotz hektischer Bautätigkeit, in einer tiefen Krise. Sie kann die gesellschaftlichen Herausforderungen schon lange nicht mehr angemessen beantworten. Die Kluft zwischen der Freiheit der Utopie und dem Status Quo der Städte scheint selten größer gewesen zu sein als heute. 
Projekte wie Park Fiction und Planbude in Hamburg und FABRIC in Lörrach versuchen auf neue Weise, einen Raum für utopisches Denken zu öffnen. Die Methode Wunschproduktion suspendiert für einen Moment die Mächte der Ökonomie und schafft eine Plattform für die gemeinsame Produktion von Imaginationen, für den Austausch von Ideen und für gemeinsames Handeln. Wie kann sich dieses Wissen der Vielen durchsetzen? Wie kann daraus eine Erneuerung der Planung - und die Stadt der Zukunft entstehen?  

    Der konzeptuelle Künstler und Zeichner beschäftigt sich mit Städten, mit der Aneignungsfähigkeit von Architektur und mit der Demokratisierung von Planungsprozessen. Seine Kunst greift transformatorisch in die Wirklichkeit ein, indem sie tools, Begriffe, Bilder und Arbeitsweisen für soziale Bewegungen, emanzipatorische Theoriebildung und für Plangsprozesse entwickelt. Seine Projekte entstehen oft in transdisziplinären Teams, in Zusammenarbeit mit Musikerinnen, Architektinnen und Planer*innen. Wesentliche Beiträge sind "Park Fiction" (seit 1994, documenta Teilnahme 2002), die 16 mm Filminstallation Revolution Non Stop (Hamburg 2000), das gezeichnete Theoriebuch "Die Stadt ist unsere Fabrik" (Spector Books Leipzig, 2010), die "ContainerUni" für die Zeppelin Universität (mit Margit Czenki und quartiervier architekten, 2011-2014), die Zeichnungsserie "Bostanorama" (Istanbul Biennale 2013, die Gründung der Hamburger "Planbude" (seit 2014, heute mit Czenki, Tribble, Zander), das "Stüdyo Mistranslaşion" (2016, mit Booty Carrell in Uchisar) und das Projekt "Fabric – Planung als Plattform" (für die Schöpflin Stiftung in Lörrach, seit 2017). 

    Schäfer subkuratierte grundlegende Konferenzen wie die "Unlikely Encounters in Urban Space" (Hamburg 2003, mit Raqs, Ligna, Ala Plastica, OUT/Bert Theiss und Maclovio Rojas), den "Salon Public Happiness" (im Rahmen von Utopian Pulse, 2014 in der Wiener Secession) und das "urbanize 7 - Stadt der Vielen" (mit dérive, Wien, in Hamburg 2016). 

    Zur Zeit co-kuratiert Christoph Schäfer eine Ausstellung des Werks der 2019 überraschend verstorbenen Künstlerin Linda Bilda für das Lentos Museum in Linz. 

  10. Vortragende
    Vortragende

    Am Lokdepot, Berlin, Werner Huthmacher – Agentur für Fotografie

    Wohnen am Lokdepot – Konversion eines Bahn- und Industriegeländes in ein innerstädtisches Wohnquartier

    Nina Sleska, ROBERTNEUN™, D

    Am Lokdepot ist Teil der städtebaulichen Konversion eines ehemaligen Bahn- und Industriegeländes an den denkmalgeschützten Lokdepothallen und liegt am südlichen Ende des Parks am Gleisdreieck in Berlin. Das Projekt behandelt die Frage der Vielfalt und Mischung als differenzierte Großform und baut den bahngewerblichen Charakter des Ortes in Materialwahl und Typologie weiter. Gewerbetypologische Konstruktionsweisen bilden nutzungsoffene Räume, gewährleisten über modulare Ausbauelemente hohe Individualisierungsmöglichkeiten und bieten in drei Gebäudetypen unterschiedlichste Wohnungsgrößen. Am Lokdepot formuliert mit seinen 250 Wohnungen und 15 Häusern ein Stück Stadt, eine differenzierte und vielfältige Großform. Ein Stück Stadt, eine Architektur, die unverwechselbar und zugleich gebunden, kontextuell und selbstverständlich, nutzungsoffen und aneignungsfähig, konkret und materiell ist.

    Nina Sleska, geb. 1985 in Rohrbach in OÖ, Architekturstudium an der TU Berlin und TU Graz, seit 2012 Projektleiterin bei ROBERTNEUN™.

    ROBERTNEUN™ kommen aus dem Berlin der 90er Jahre und versuchen seitdem die Stadt in ihrem kontinuierlichen Wandlungsprozess zeitgenössisch mitzugestalten. Zu Beginn inmitten einer sich entwickelnden Kulturszene begannen Bauherren und Architekten, vornehmlich im Nachtleben, sich leerstehende Gebäude und Stadträume anzueignen. Mit begrenzten Mitteln wurde Bestehendes umgenutzt: temporär, provisorisch, offen, unfertig. Fasziniert vom Einfachen, Alltäglichem und der Geschichte der Stadt in ihrer gesamten Komplexität. Hieraus entstand das Interesse und die Kompetenz für das Mitbauen an einer offenen, heterogenen, vielfältigen, reichhaltigen und möglichkeitsorientierten Stadt. 

    ROBERTNEUN™ agieren mittlerweile in einem gewachsenen und vielseitigen Aufgabenspektrum von städtebaulichen Entwicklungen, Stadtumbauten (Europacity, Am Lokdepot, Kölner Euroforum, Posthochhaus, Kindl Brauerei), öffentlichen Bauten, Wohnungsbau, Büro- und Verwaltungsbauten, sowie von verschiedenen Aufgabenstellungen des Interior Designs (Tausend Bar, Neukonzeption Kulturkaufhaus Dussmann). An verschiedenen Projekten, wie z.B. “Weekend” oder "Am Lokdepot", wird eine initiative Kompetenz deutlich, die das Ziel verfolgt, alle Beteiligten unter einer städtebaulichen Vision zu vereinen und so einen kulturellen Beitrag leistet. Das Projekt "Am Lokdepot" wurde als modellhafter Stadtumbau und zeitgenössischer Wohnungsbau u.a. mit einer Auszeichnung des Deutschen Architekturpreises sowie dem BDA Preis 2015 ausgezeichnet.

  11. Vortragende
    Vortragende

    Auf der Suche nach Zukunftsland in Obergail (Kärnten), Laura Heym – Johannes Prieler

    über morgen obergail … oder eine Reise von Superstadt bis Zukunftsland

    Isabel Stumfol, Raumplanerin, A

    Der Rem Koolhaas sagt, dass die Zukunft im ländlichen Raum sei: „The future is in the countryside. It is time to learn from the radical change happening beyond the world´s cities.”

    Dies als Auftrag sehend, begeben wir uns 25 Minuten gemeinsam auf eine Schnitzeljagd. Wir suchen das Zukunftsland und durchreisen dabei verschiedene Themen-Orbite. Treibstoff sind uns dabei Fragen wie: Wie leben und arbeiten wir in Zukunft im Ländlichen Raum? Wie gehen wir in Zukunft miteinander um? Gibt es dort dann überhaupt noch Frauen? Wie bauen und planen wir? Und was machen wir jetzt schon richtig, um dahin zu kommen?

    Ziel des Vortrages ist es, die Verkrustungen im Kopf aufzuweichen für ein neues Bild vom Land. Und für ein neues Bild, wie und wer dort lebt und arbeitet. Die Grenzen verschwimmen und die Urbanisierung ist überall bereits passiert, sagte Henri Lefebvre. Aber das heißt nicht, dass überall Stadt ist und sein soll. Und das wiederum heißt nicht, dass Stadt und Land ein Gegenpaar sind.

    Wir sehen, die Schnitzeljagd birgt die Gefahr, sich in Verwirrungen zu verirren. Aber keine Angst, wir werden wieder sicher landen. Wo, ob Superstadt oder Zukunftsland werden wir noch rausfinden.

    Die Raumplanerin Isabel Stumfol ist im steirischen Ennstal aufgewachsen und forscht und lehrt seit 2017 am Institut für Raumplanung an der TU Wien. Bereits in ihrer Studienzeit hat sie sich intensiv mit dem ländlichen Raum beschäftigt (bspw. in ihrer Diplomarbeit: „Land ohne Töchter* - Vom Gehen und Bleiben im Bezirk Liezen). Die Potentiale und Herausforderungen des ländlichen Raums untersucht und bearbeitet sie nicht nur als Raumplanerin, sondern sie sind für sie als mulitlokal Lebende und Arbeitende (Stadt und Land) direkt erfahrbar. Ihre Zeit als freie Journalistin in einem Regionalbüro hat sie hierfür auch sensibilisiert. In ihrer Dissertation verschränkt sie ihre Erfahrungen und beschäftigt sich mit Storytelling in der Planung. Ihr Forschungsinteresse für den ländlichen Raum spiegelt sich auch in ihren Lehrtätigkeiten wieder: die unter anderem von Mulitlokalität, Landleben, „Geschichten vom Land“ (www.mehralsobergail.at), Ideen, Kreativität und Innovation für den ländlichen Raum drehen.

    Seit März 2019 ist sie Vorstandsmitglied von „LandLuft“ (Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen). Im Mai 2019 gründete sie mit Christian Frieß den Verein Korona Mai (Verein zur Förderung einer interdisziplinären Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt) über den sie einen Co-Working-Space in Wien betreiben. Seit kurzem arbeitet sie außerdem für das Planungsbüro stadtland. Und ganz frisch zugesagt ist ein Leader-Projekt von LandLuft in Oberbayern, durch das die erste Baukulturregion Deutschlands entstehen soll.

    www.isabelstumfol.wordpress.com

  12. Vortragende
    Vortragende

    KooWo in Volkersdorf bei Graz, Architekten: Schwarz Platzer, Robert Temel – Wolf Leeb / wolfleeb.com

    Wie können innovative Gemeinschafts-Wohnprojekte das Klima retten helfen?

    Robert Temel, Die WoGen, A

    Die WoGen Wohnprojekte-Genossenschaft e. Gen. ist die erste neu gegründete Wohnungsgenossenschaft in Österreich seit vielen Jahrzehnten. Während es in Deutschland und in der Schweiz in den letzten Jahren viele Neugründungen gab, die hervorragende Projekte entwickeln, war das in Österreich bisher nicht der Fall – die WoGen hat das Eis gebrochen, mittlerweile gibt es einige neue Genossenschaften im Wohnbaubereich. Die WoGen ist spezialisiert auf gemeinschaftliche Wohnprojekte mit innovativer Ausrichtung. Das erste realisierte Projekt ist KooWo in Volkersdorf bei Graz, das zweite Projekt namens WoGen-Quartiershaus wird in Kürze beim Wiener Hauptbahnhof entstehen. Im Anschluss an die Präsentation der WoGen und des genossenschaftlichen Bauens von gemeinschaftlichen Wohnprojekten werden die Vortragenden zusammen mit dem Publikum versuchen, Beispiele für die im Titel genannte Frage zu sammeln und zu diskutieren – dabei wird es um das Spektrum des Möglichen gehen.

    Robert Temel ist selbstständiger Architektur- und Stadtforscher sowie Berater in Wien. Er studierte Architektur an der Universität für angewandte Kunst Wien und absolvierte das Postgraduate-Programm Soziologie am Institut für Höhere Studien in Wien. Seine Forschung und Beratung befasst sich mit der Nutzung und Herstellung von Architektur und Stadt mit Schwerpunkt auf Wohnbau, Stadtplanung und öffentlichen Raum. Er ist unter anderem Koautor von Temporäre Räume. Konzepte zur Stadtnutzung (Birkhäuser 2006); „Observing the Doings of Built Spaces. Principles of an Ethnography of Materiality“ (HSR 2014); Grundlagen für kooperative Planungsverfahren (2015); sowie Autor von Ein Stück Stadt bauen. Leben am Helmut-Zilk-Park (Stadt Wien/ÖBB 2019); und „Gestaltung statt Mitbestimmung. Die Wiener Sargfabrik als Musterprojekt urbanen Lebens“ in Together! Die neue Architektur der Gemeinschaft (2017).

    Sprecher der Plattform Baukulturpolitik seit 2013, Mitglied des Beirats für Baukultur im Bundeskanzleramt seit 2013. Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen 2009 bis 2019. Zuvor Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) 2003 bis 2009, Vorstandsmitglied 1998 bis 2010. Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender der WoGen Wohnprojekte-Genossenschaft e.Gen. seit 2015.

    www.temel.at www.diewogen.at

  13. Vortragende
    Vortragende

    Kraftwerk1 Zwicky Süd, Andrea Helbling, Arazebra, Zürich – Volker Schopp

    Genossenschaften als Nutzungsmischungs-Generator

    Claudia Thiesen, Thiesen & Wolf GmbH, CH

    «In der Schweiz erfolgt die Bereitstellung von Wohnraum in erster Linie über den Markt», erklärt das Bundesamt für Wohnungswesen auf seiner Startseite. Und dieses Angebot unterliegt Marktmechanismen. Steigende Landpreise und Mieten, monotone Neubauquartiere, ein wachsender Anteil an Luxus- und teuren Eigentumswohnungen sind die Folgen und erschweren den Zugang zu günstigem Wohnraum spürbar. Doch in Zürich sind immerhin 25% aller Wohnungen der Spekulation entzogen und dort langfristig kostengünstige Mietzinse garantiert. Dies Dank einer über hundertjährigen Tradition des gemeinnützigen Wohnungsbaus und städtischer Förderung von Genossenschaften.

    Seit ca. 20 Jahren erlebt der genossenschaftliche Wohnungsbau eine Renaissance. Junge Genossenschaften haben vielbeachtete Vorzeigeprojekte realisiert. Ihr Zweck ist nicht mehr nur die Versorgung der Mitglieder mit günstigen Wohnungen, sondern die Entwicklung ganzer Quartierteile und die Gestaltung von Stadt. Sie vernetzen sich im Quartier, richten ihr Angebot am demografischen Wandel aus und suchen nach Wegen, durchmischte solidarische Nachbarschaften zu etablieren. Sie bauen Strukturen, die neue Formen des Zusammenlebens, aber auch neue Modelle von Arbeit, Versorgung und Konsum ermöglichen und stellen dabei architektonische und bauliche Konventionen in Frage. Die Grenzen zwischen «privat» und «öffentlich» werden durchlässig und damit die Nutzungen vielschichtiger. Schlussendlich geht es um die Frage, wie Gebäude und Quartiere für zukünftige Herausforderungen wie den Klimawandel oder gesellschaftliche Veränderungen gerüstet sind.

    Claudia Thiesen, *1973, studierte Architektur an der Bauhaus Universität Weimar. Seit 2001 lebt und arbeitet sie in Zürich und führt seit 2008 ihr eigenes Büro. 2019 gründete sie zusammen mit Sabine Wolf die Thiesen & Wolf GmbH. Thiesen & Wolf bietet Projektentwicklung und Steuerung für mehrheitlich gemeinnützige Bauträger. Im Fokus der Beratungsleistung stehen gemeinschaftliches Bauen und Wohnen sowie partizipativ gestaltete Prozesse. Claudia Thiesen ist zudem in zahlreichen Genossenschaften engagiert. Zusammen mit sieben Erwachsenen und zwei Kindern bewohnt Claudia Thiesen eine Clusterwohnung in einem Mehrgenerationen-Haus.

    www.thiesenwolf.ch

  14. Vortragende
    Vortragende

    Austausch mit Genossenschaftsprojekten in Zürich und Berlin, Philipp Naderer-Puiu – He Shao Hui

    Ein genossenschaftliches Projekt für urbane Mischung

    Markus Zilker, einszueins architektur, A

    Die Genossenschaft die HausWirtschaft entwickelt und realisiert im Wiener Nordbahnviertel ein radikal nutzungsgemischtes Gebäude für 200 Menschen mit 50% Arbeiten und 50% Wohnen. Im Zentrum steht die partizipative und öffentlichkeitswirksame Entwicklung einer österreichweit einzigartigen experimentellen Nutzungsmischung, die einen Beitrag zur nachhaltigen ökonomischen Wertschöpfung sowie zur sozial und ökologisch verträglichen Raumnutzung erbringt. In Anlehnung an bestehende Wiener Baugruppenmodelle bestimmen die künftigen NutzerInnen im Planungsprozess mit. Sie bündeln ihre Ressourcen und ihr Wissen um die sonst fehlenden leistbaren und kleinteiligen Gewerbeflächen und urbane Mischung neu zu erschaffen. In Kooperation mit EGW Heimstätte, realitylab und dem future.lab der TU Wien. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „Smart Cities Demo – Living Urban Innovation 2018“ durchgeführt.

    Markus Zilker ist Gründer und Gesellschafter bei einszueins architektur. Er absolvierte das Studium der Architektur an der TU Wien und der ETSA Sevilla. Er unterrichtete Entwurf für angehende Baumeister bei Nimmerrichter Kurse und machte selbst 2009 die Baumeisterprüfung sowie 2016 die Ziviltechnikerprüfung. Ergänzend zu 15 Jahren Erfahrung in der Planung und Abwicklung von Wohnbauprojekten unterschiedlichster Maßstäbe verfügt er über Fortbildungen im Bereich der Mediation und Gemeinschaftsbildung. Markus Zilker ist Gründungsmitglied sowohl der „Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen“ als auch des Baugruppen-Projektes „Wohnprojekt Wien“, das unter anderem 2014 mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde. Markus Zilker zeichnet darüber hinaus eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Klein- und Großgruppenprozessen vom Prozessdesign über Kommunikation bis zur Moderation von Workshops und Arbeitsgruppen aus. Als Experte zum Thema Baugruppen und Planungsbeteiligung kann er eine nationale und internationale Vortragstätigkeit auf Symposien, Workshops und Tagungen vorweisen.

Info

E I N T R I T T   F R E I  !
Und Essen und Getränke gibt es auch.

24. April 2021
10.00 – 20.00
ab 22.00 PARTY



Impressum

Univ.Prof. Dipl.Ing. Dr. Sabine Pollak
Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz
Institut für Raum und Design – Architektur | Urbanistik

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Postfach 6
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